Aarau hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht.

Aarau, das aufstrebende Zentrum im Mittelland, hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht:

Verkehrsbefreite, lebendige Altstadt mit Cafés, Bars und Clubs, die nun auch sonntags Flanierende anziehen. Vor 10 Jahren war die Stadt an Sonntagen jeweils menschenleer.

Hinzu kam ein aufgewerteter Aareraum mit attraktiven Restaurants zum Verweilen. Mit einer sorgfältigen Stadtentwicklung wurden architektonisch hochstehende Neubauten realisiert, wie beispielsweise Kunsthaus und Stadtmuseum sowie der Bahnhof und neue Wohnquartiere in der Aarenau, im Torfeld Süd und in Aarau Rohr, welche die historische Substanz respektieren.

Aarau war in den letzten 12 Jahren Austragungsort von grossen Volksfesten wie dem eidgenössischen Jodlerfest, Schwingfest, Schützenfest und Volksmusikfest.

Aarau ist mit seinen vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, einer lebendigen Altstadt und guten Verkehrsanbindungen ein attraktives Zentrum im schweizerischen Mittelland zwischen den grossen Zentren Zürich, Basel, Bern und Luzern. 2014 wurde die Stadt mit dem Wakker-Preis ausgezeichnet, als Anerkennung für die vorbildliche Stadtentwicklung zwischen Bewahren und Aufbruch und war 2016 auf dem 6. Platz im Bilanz Ranking der attraktivsten Schweizer Städte. Kehrseite der Medaille: Hohe Boden– bzw. Liegenschaftspreise, vergleichbar mit jenen der Gemeinden an der Kantonsgrenze zu Zürich.

Aarau braucht mehr erschwinglichen Wohnraum

Diese Entwicklung darf nicht dazu führen, dass Aarau als Wohnort nur noch für finanziell gut Gestellte in Frage kommt. Die beispielhafte Überbauung Telli aus den 70er Jahren hat bewiesen, dass die Realisierung von günstigem Wohnraum möglich ist. Die Telli ist nach wie vor ein attraktiver Wohnort für Familien und garantiert der Stadt jene Durchmischung, die für ein lebendiges Zentrum unabdingbar ist. In diese Richtung wäre weiter zu denken, namentlich dann, wenn weitere Grundstücke der Bürgergemeinde, das Torfeld Nord und das Kasernenareal, überbaut werden. Es ist darauf zu achten, dass neben kommerziellen auch nicht kommerzielle Nutzungen Platz haben und mehr günstiger Wohnraum angeboten wird. Ich werde mich dafür einsetzen.

Wir müssen über die Stadtgrenzen hinaus denken

Die Region wächst immer mehr zusammen. Die Gemeindegrenzen sind kaum noch wahrnehmbar. Deshalb ist es wichtig, dass Aarau mit den Nachbargemeinden intensiver über die künftige Entwicklung und Erschliessung der über die Stadtgrenzen hinausgewachsenen Agglomeration nachdenkt und sie gemeinsam plant.

Dieser Prozess kann zu einem engeren Zusammengehen mit den Nachbargemeinden bis hin zu einer Fusion führen. Diese muss sich aber in erster Linie an der Bewältigung gemeinsamer Aufgaben orientieren und ist kein Ziel an sich. Dazu gehört auch die Realisierung von Projekten, die im Interesse der ganzen Region sind, wie Fussballstadion, Reithalle, Sporthalle, Kiff usw. Aarau wird seine Attraktivität als Zentrum nur erhalten können, wenn weiterhin in zukunftsweisende Projekte investiert wird. 

Als Energiestadt ist Aarau gut unterwegs

Seit 2005 trägt Aarau das Label „Energiestadt“ und hat zwischen 2010 und 2014 16% weniger Primärenergie verbraucht. Das Label muss alle vier Jahre bestätigt werden, das nächste Mal 2017. Ziel muss es sein, diese Vorgaben ständig zu verbessern, ganz im Sinne der Stadtbevölkerung, die sich 2012 für eine nachhaltige Energie- und Klimapolitik ausgesprochen hat.

Aarau braucht mehr Langsamverkehr

Bei der Stärkung des Langsamverkehrs hat die Stadt Nachholbedarf. Von weniger Verkehr profitieren alle. Die kürzlich eingereichte Initiative „Für eine zukunftsfähige Mobilität “, die ich aktiv unterstütze, wird wichtige Impulse geben. Die Stadt soll Massnahmen fördern, die den Verkehr gesamthaft reduzieren: nutzungsdurchmischte Quartiere, eine gute Quartierversorgung, autoarmes Wohnen, Mobilitätsmanagement etc.

Die Anteile des Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr sollen steigen.

Sparen am falschen Ort ist kontraproduktiv

Der städtische Haushalt ist derzeit nicht im Gleichgewicht. Es ist richtig, dass in einer solchen Situation Einnahmen und Ausgaben auf deren Notwendigkeit hin kritisch hinterfragt werden. Klar ist, dass in jeder Verwaltung Sparpotentiale zu finden sind. Ich vermute aber, dass nach den vielen Sparrunden der letzten Jahre die Zitrone ausgepresst ist. Deshalb ist für mich eine massvolle Steuererhöhung kein Tabu. Im Interesse der späteren Generationen muss der städtische Haushalt ins Gleichgewicht gebracht werden.

Auch wehre ich mich gegen Sparübungen auf dem Buckel der Schwächsten. Oft sind sie sogar für den Finanzhaushalt der öffentlichen Hand kontraproduktiv.  An einem konkreten Beispiel gezeigt: Wenn Gelder für Kindertagesstätten gestrichen werden, können Alleinerziehende wegen fehlender Krippenplätze nicht arbeiten und müssen Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Es gibt auch weniger Steuereinnahmen, wenn (vor allem) Frauen deswegen auf die Ausübung ihres Berufes verzichten.

Den Reichtum für Generationenprojekte einsetzen

Aarau ist auch in finanzieller Hinsicht privilegiert. Sie hat im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden den tiefsten Steuerfuss und gehört auch im kantonalen Vergleich zur Spitze der steuergünstigen Gemeinden. Sie hat keine Schulden, während die meisten Zentrumsstädte wegen ihrer Zentrumslasten zum Teil hoch verschuldet sind. Dies, obwohl auch Aarau Zentrumslasten trägt! Gleichzeitig verfügt die Stadt  über ein Vermögen von nahezu 100 Mio. Franken und ist Hauptaktionärin der florierenden IBA. Diese Mittel könnten die Finanzierung wichtiger Zukunftsprojekte erleichtern, wie beispielsweise Pont Neuf, Fussballstadion, Kiff, Reithalle, Sanierung von Sporthalle, Schwimmbad oder zum Bau einer Jugendherberge, die bisher fehlt! Damit kann Aarau als das urbane Zentrum im Mittelland weiter gestärkt werden.